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    Erich Maria Remarque Liebe Deinen Nchsten

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  • Название: Liebe Deinen Nächsten
  • Описание: Roman
  • Автор: Remarque, Erich Maria

wurde, hat drei weitere Emigrantenwerke geschrieben. Dieses 1941 zuerst
in den USA erschienene Buch ist ein
eindrückliches Porträt jener Zeit, bewegend und spannend zugleich. Time
Magazine urteilte: »Remarque hat
– wie Hemingway – die seltene Fähigkeit, Texte zu schreiben, die zugleich
populär und echte Kunstwerke sind
und die es verstehen, eine Generation
zu verkörpern.

Über den Autor
Erich Maria Remarque, 1891 in Osnabrück geboren, 1916 Soldat. 1929
erschien sein Buch Im Westen nichts
Neues, das ein ungeheurer Erfolg
wurde. 1933 wurden seine Bücher
öffentlich verbrannt. Lebte seit 1929
überwiegend im Ausland, nach dem
Krieg in der Schweiz, wo er 1970
starb.

unverkäuflich

Über das Buch
Josef Steiner, ein deutscher Politiker,
Ludwig Kern, Sohn eines jüdischen
Fabrikanten, und die Studentin Ruth
Holland sind die Hauptfiguren dieses
Romans. Nach ihrer Flucht aus dem
nationalsozialistischen Deutschland
versuchen sie wie viele andere, in der
Tschechoslowakei, Österreich oder der
Schweiz Fuß zu fassen. Doch überall
sind sie ungebetene Gäste, die man
sofort über die Grenze ins Nachbarland
abschiebt. Ohne Papiere und Arbeit
in die Illegalität gedrängt, ständig von
Verhaftung und Ausweisung bedroht,
lernen sie, sich in ihrem unsicheren
Dasein zu behaupten, mit Tricks und
Finten zu überleben. Ihre Lage scheint
aussichtslos, aber immer wieder helfen
ihnen erfahrene Leidensgenossen, der
Verfolgung durch Behörden und Polizei zu entkommen. Die wachsende
Zuneigung zwischen Ludwig und Ruth
schützt sie vor Hoffnungslosigkeit und
Verzweiflung: Freundschaft und Liebe
bewähren sich in einer Welt, die das
christliche Gebot der Nächstenliebe
fast vergessen hat.
Der Titel dieses Buches schwebt
wie ein unsichtbares Programm über
Remarques Gesamtwerk. Er, der 1938
selbst aus Deutschland ausgebürgert

V. 04207

Erich Maria Remarque

Liebe Deinen
Nächsten
Roman
Mit einem Nachwort von Tilman Westphalen

Kiepenheuer & Witsch

© 94 by Erich Maria Remarque 978, 99 by Kiepenheuer & Witsch, Köln
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form
(durch Fotografie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne
schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter
Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder
verbreitet werden
Umschlag Manfred Schulz, Köln,
nach einer Konzeption von Hannes Jahn
Umschlagfoto Paul Wolff, Archiv für Kunst und Geschichte
Gesamtherstellung Clausen & Bosse, Leck
ISBN 3 462 024 9

Man braucht ein starkes Herz,
um ohne Wurzel zu leben –

Erster Teil

1

Kern fuhr mit einem Ruck aus schwarzem, brodelndem
Schlaf empor und lauschte. Er war, wie alle Gehetzten, sofort ganz wach, gespannt und bereit zur Flucht. Während er
unbeweglich, den schmalen Körper schräg vorgeneigt, im Bette
saß, überlegte er, wie er entkommen könnte, wenn der Aufgang
schon besetzt wäre.
Das Zimmer lag im vierten Stock. Es hatte ein Fenster nach
der Hofseite, aber keinen Balkon und kein Gesims, von denen
aus die Dachrinne zu erreichen gewesen wäre. Nach dem Hofe
zu war eine Flucht also unmöglich. Es gab nur noch einen Weg:
über den Korridor zum Dachboden und über das Dach hinweg
zum nächsten Hause.
Kern sah auf das Leuchtzifferblatt seiner Uhr. Es war kurz nach
fünf. Das Zimmer war noch fast finster. Grau und undeutlich
schimmerten die Laken der beiden anderen Betten durch die
Dunkelheit. Der Pole, der an der Wand schlief, schnarchte.
Vorsichtig glitt Kern aus dem Bett und schlich zur Tür. Im
selben Augenblick rührte sich der Mann, der im mittleren Bette
lag. »Ist was los?« flüsterte er.
Kern gab keine Antwort; er hielt das Ohr an die Tür gepreßt.
Der andere richtete sich auf. Er wühlte in den Sachen, die am
Pfosten des eisernen Bettgestells hingen. Eine Taschenlampe
blitzte auf und fing in ihrem fahlen, zitternden Lichtkreis ein
Stück der braunen, abgeblätterten Tür und die Gestalt Kerns, der
mit wirrem Haar und zerdrücktem Unterzeug am Schlüsselloch
lauschte.
»Verdammt, sag, was los ist!« zischte der Mann im Bett.
Kern richtete sich auf. »Ich weiß nicht. Bin aufgewacht, weil ich
irgendwas gehört habe.«
»Irgendwas! Was irgendwas, du Dummkopf?«
»Irgendwas unten. Stimmen, Schritte oder so was.«
6

Der Mann stand auf und kam zur Tür. Er hatte ein gelbliches
Hemd an, unter dem im Schein der Taschenlampe ein Paar
stark behaarte, muskulöse Beine hervorkamen. Er horchte eine
Weile. »Wie lange wohnst du schon hier?« fragte er dann.
»Zwei Monate.«
»War in der Zeit schon mal ’ne Razzia?«
Kern schüttelte den Kopf.
»Aha! Wirst dich dann wohl verhört haben. Ein Furz im Schlaf
klingt ja manchmal wie ein Donnerschlag.«
Er leuchtete Kern ins Gesicht. »Na ja, knapp zwanzig, was?
Emigrant?«
»Natürlich.«
»Jesus Christus tso siem stalo …« gurgelte plötzlich der Pole
in der Ecke.
Der Mann im Hemd ließ den Lichtkreis hinüberwandem.
Ein schwarzes Bartgestrüpp mit aufgerissener Mundhöhle und
aufgerissenen Augen unter buschigen Brauen tauchte aus dem
Dunkel auf.
»Halt’s Maul mit deinem Jesu Christo, Polack«, knurrte der
Mann mit der Taschenlampe. »Der lebt nicht mehr. Ist als Kriegsfreiwilliger an der Somme gefallen.«
»Tso?«
»Da ist es wieder!« Kern sprang zum Bett. »Sie kommen von
unten! Wir müssen übers Dach!«
Der andere drehte sich wie ein Kreisel. Man hörte Türen klappen und gedämpfte Stimmen. »Verflucht! ’raus! Polski, ’raus!
Polizei!«
Er riß seine Sachen vom Bett. »Weißt du den Weg?« fragte er
Kern.
»Ja. Rechts, den Korridor entlang! Die Treppe hinter dem
Ausguß ’rauf!«
7

»Los!« Der Mann im Hemd öffnete lautlos die Tür.
»Matka boska!« gurgelte der Pole.
»Halt’s Maul! Verrat nichts!«
Der Mann zog die Tür zu. Kern und er huschten den schmalen,
schmutzigen Korridor entlang. Sie liefen so leise, daß sie den
schlecht zugedrehten Wasserhahn über dem Ausguß tröpfeln
hörten.
»Hier ’rum!« flüsterte Kern, bog um die Ecke und rannte gegen
etwas. Er taumelte, sah eine Uniform und wollte zurück.
Im gleichen Augenblick bekam er einen Schlag auf den Arm.
»Stehenbleiben! Hände hoch!« kommandierte jemand aus dem
Dunkel.
Kern ließ seine Sachen zu Boden rutschen. Sein linker Arm war
taub von dem Schlag, der den Ellenbogen getroffen hatte. Der
Mann im Hemd sah eine Sekunde lang so aus, als wolle er sich in
das Dunkel auf die Stimme stürzen. Aber dann blickte er auf den
Lauf des Revolvers, der ihm von einem zweiten Beamten gegen
die Brust gehalten wurde, und hob langsam die Arme.
»Umdrehen!« kommandierte die Stimme. »Ans Fenster stellen!«
Die beiden gehorchten.
»Sieh nach, was in den Taschen ist«, sagte der Polizist mit dem
Revolver.
Der zweite Beamte untersuchte die Kleider, die auf dem Boden
lagen. »Fünfunddreißig Schilling – eine Taschenlampe – eine
Pfeife – ein Taschenmesser – ein Lauskamm – sonst nichts …«
»Keine Papiere?«
»Paar Briefe oder so was …«
»Keine Pässe?«
»Nein.«
»Wo habt ihr eure Pässe?« fragte der Polizist mit dem Revolver.
8

»Ich habe keinen«, erwiderte Kern.
»Natürlich!« Der Polizist stieß dem Mann im Hemd den Revolver in den Rücken. »Und du? Muß man dich extra fragen, du
Hurenbankert?« sagte er.
Die beiden Polizisten sahen sich an. Der ohne Revolver fing
an zu lachen. Der andere leckte sich die Lippen. »Ah, da schau
her, ein feiner Herr!« sagte er langsam. »Exzellenz, der Stromer!
General Stinktier!« Er holte plötzlich aus und schlug dem Mann
die Faust gegen das Kinn. »Hände hoch!« brüllte er, als der andere taumelte.
Der Mann sah ihn an. Kern glaubte noch nie einen solchen
Blick gesehen zu haben. »Dich meine ich, du Scheißer!« sagte
der Polizist. »Wird’s bald? Oder soll ich dir dein Gehirn noch
einmal aufschütteln?«
»Ich habe keinen Paß«, sagte der Mann.
»Ich habe keinen Paß«, äffte der Polizist nach. »Natürlich, Herr
Hurenbankert hat keinen Paß. Konnte man sich ja wohl denken!
Los, anziehen, aber flott!«
Eine Gruppe Polizisten lief den Korridor entlang. Sie rissen
die Türen auf. Einer mit Schulterstücken kam heran. »Was habt
ihr denn da?«
»Zwei Vögel, die übers Dach verduften wollten.«
Der Offizier betrachtete die beiden. Er war jung. Sein Gesicht
war schmal und blaß. Er trug einen sorgfältig gestutzten, kleinen
Schnurrbart und roch nach Toilettewasser. Kern erkannte es; es
war Eau de Cologne 47. Sein Vater hatte eine Parfümfabrik
gehabt, daher wußte er so etwas.
»Die beiden werden wir uns besonders vornehmen«, sagte der
Offizier. »Handschellen!«
»Ist es der Wiener Polizei erlaubt, bei Verhaftungen zu schlagen?« fragte der Mann im Hemd.
9

Der Offizier sah auf. »Wie heißen Sie?«
»Steiner. Josef Steiner.«
»Er hat keinen Paß und hat uns bedroht«, erklärte der Polizist
mit dem Revolver.
»Es ist noch viel mehr erlaubt, als Sie denken«, sagte der Offizier kurz.
»Marsch, ’runter!«
Die beiden zogen sich an. Der Polizist holte Handschellen
hervor. »Kommt, ihr Lieblinge! So, jetzt seht ihr schon besser
aus. Passen wie nach Maß.«
Kern spürte den Stahl kühl an seinen Gelenken. Es war das
erste Mal in seinem Leben, daß er gefesselt wurde. Die Stahlreifen hinderten ihn beim Gehen nicht sehr. Aber ihm schien, als
fesselten sie mehr als nur seine Hände.
Draußen war es früher Morgen. Vor dem Hause hielten zwei
Polizeiautos. Steiner verzog das Gesicht. »Begräbnis erster Klasse!
Nobel, was, Kleiner?«
Kern antwortete nicht. Er versteckte die Handschellen, so gut
es ging, unter seinem Rock. Ein paar Milchkutscher standen
neugierig auf der Straße. Gegenüber in den Häusern waren
Fenster offen. Gesichter schimmerten wie Teig aus den dunklen
Öffnungen. Eine Frau kicherte.
Ungefähr dreißig Verhaftete wurden auf die Wagen gebracht.
Es waren offene Polizeiflitzer. Die meisten der Leute stiegen ohne
ein Wort hinauf. Auch die Besitzerin des Hauses war darunter,
eine dicke, hellblonde Frau von etwa fünfzig Jahren. Sie war die
einzige, die erregt protestierte. Seit einigen Monaten hatte sie
zwei leerstehende Etagen ihres baufälligen Hauses auf billigste
Weise in eine Art Pension verwandelt. Es hatte sich bald herumgesprochen, daß man dort schwarz schlafen konnte, ohne bei
der Polizei gemeldet zu werden. Die Frau hatte nur vier richtige
10

Mieter mit polizeilicher Anmeldung – einen Hausdiener, einen
Kammerjäger und zwei Huren. Die übrigen kamen abends, wenn
es dunkel wurde. Fast alle waren Emigranten und Flüchtlinge aus
Deutschland, Polen, Rußland und Italien.
»Los, los!« sagte der Offizier zu der Vermieterin. »Sie können das alles auf der Wache erklären. Da haben Sie Zeit genug
dazu.«
»Ich protestiere!« schrie die Frau.
»Protestieren können Sie, soviel Sie wollen. Vorläufig kommen
Sie mit.«
Zwei Polizisten faßten die Frau unter die Arme und hoben sie
auf den Wagen.
Der Offizier wandte sich zu Kern und Steiner. »So, jetzt diese
beiden. Extra aufpassen auf sie.«
»Merci«, sagte Steiner und stieg auf. Kern folgte ihm.
Die Autos fuhren los. »Auf Wiedersehen!« kreischte eine Frauenstimme aus den Fenstern.
»Schlagt das Emigrantenpack tot!« brüllte ein Mann hinterher.
»Dann spart ihr das Futter.«
Die Polizeiautos fuhren ziemlich schnell, denn die Straßen
waren noch fast leer. Der Himmel hinter den Häusern wich
zurück, er wurde heller und weiter und durchsichtig blau, aber
die Verhafteten standen dunkel auf den Wagen wie Weiden im
Herbstregen. Ein paar Polizisten aßen belegte Brote. Sie tranken
Kaffee aus flachen Blechflaschen.
In der Nähe der Aspernbrücke kreuzte ein Gemüseauto die
Straße. Die Polizeiwagen bremsten und zogen dann wieder an.
Im gleichen Augenblick kletterte einer der Verhafteten über den
Rand des zweiten Wagens und sprang ab. Er fiel schräg auf den
Kotflügel, verfing sich mit dem Mantel und schlug mit einem
trockenen Knack auf das Pflaster.
11

»Anhalten! Hinterher!« schrie der Führer. »Schießt, wenn er
nicht stehenbleibt!«
Der Wagen bremste scharf. Die Polizisten sprangen herunter. Sie
liefen zu der Stelle, wo der Mann hingefallen war. Der Chauffeur
sah sich um. Als er bemerkte, daß der Mann nicht flüchtete, fuhr
er den Wagen langsam zurück.
Der Mann lag auf dem Rücken. Er war mit dem Hinterkopf auf
die Steine geschlagen. In seinem offenen Mantel lag er da, mit
ausgebreiteten Armen und Beinen, wie eine große heruntergeklatschte Fledermaus.
»Bringt ihn ’rauf!« rief der Offizier.
Die Polizisten bückten sich. Dann richtete sich einer auf. »Er
muß sich was gebrochen haben. Kann nicht aufstehen.«
»Natürlich kann er aufstehen! Hebt ihn hoch!«
»Gebt ihm einen gehörigen Tritt, dann wird er schon munter«,
sagte der Polizist, der Steiner geschlagen hatte, träge.
Der Mann stöhnte. »Er kann tatsächlich nicht aufstehen«,
meldete der andere. »Blutet auch am Kopf.«
»Verflucht!« Der Führer kletterte herunter. »Daß sich keiner
von euch rührt!« schrie er zu den Verhafteten hinauf. »Verdammte Bande! Nichts als Scherereien!«
Der Wagen stand jetzt dicht neben dem Verunglückten. Kern
konnte ihn von oben genau sehen. Er kannte ihn. Es war ein
schmächtiger polnischer Jude mit schütterem, grauem Bart.
Er erinnerte sich deutlich des alten Mannes, wie er morgens in
aller Frühe, die Gebetsriemen über den Schultern, am Fenster
gestanden und gebetet hatte, während er den Körper leise hinund herwiegte. Er hatte mit Garnrollen, Schnürriemen und Zwirn
gehandelt und war schon dreimal aus Österreich ausgewiesen
worden.
»Aufstehen! Los!« kommandierte der Offizier. »Wozu springen
12

Sie denn vom Wagen? Zuviel auf dem Kerbholz, wie? Gestohlen,
und wer weiß was noch!«
Der alte Mann bewegte die Lippen. Seine Augen waren groß
auf den Offizier gerichtet.
»Was?« fragte der. »Hat er was gesagt?«
»Er sagt, es wäre aus Angst gewesen«, erwiderte der Polizist,
der neben ihm kniete.
»Angst? Natürlich aus Angst! Weil er was ausgefressen hat!
Was sagt er?«
»Er sagt, er hätte nichts ausgefressen.«
»Das sagt jeder. Aber was machen wir jetzt mit ihm? Was hat
er denn?«
»Man sollte einen Arzt holen«, sagte Steiner vom Wagen herab.
»Seien Sie ruhig!« schnauzte der Offizier nervös. »Wo soll man
denn um diese Zeit einen Arzt herkriegen? Er kann doch nicht
solange auf der Straße liegen. Nachher heißt es dann wieder, wir
hätten ihn so zugerichtet. Geht ja immer alles auf die Polizei!«
»Er gehört ins Krankenhaus«, sagte Steiner. »Sogar schnell!«
Der Offizier war verwirrt. Er sah jetzt, daß der Mann schwer
verletzt war und vergaß darüber, Steiner den Mund zu verbieten.
»Krankenhaus! Da nehmen sie ihn doch- nicht einfach so auf.
Dazu braucht er doch einen Überweisungsschein. Ich kann das
auch gar nicht allein machen. Ich muß ihn erst zum Rapport
bringen.«
»Bringen Sie ihn zum jüdischen Krankenhaus«, sagte Steiner.
»Da nehmen sie ihn ohne Überweisungsschein und Rapport.
Sogar ohne Geld.«
Der Offizier starrte ihn an. »Woher wissen Sie denn das,
Sie?«
13

»Man sollte ihn zur Rettungsgesellschaft bringen«, schlug einer
der Polizisten vor. »Da ist immer ein Sanitäter oder ein Arzt. Die
könnten dann weitersehen. Damit wären wir ihn auch los.«
Der Offizier hatte seinen Entschluß gefaßt. »Gut, hebt ihn auf!
Wir fahren bei der Rettungswache vorbei. Dann bleibt einer mit
ihm da. Verdammte Schweinerei!«
Die Polizisten hoben den Mann hoch. Er stöhnte und wurde
sehr blaß. Sie legten ihn auf den Boden des Wagens. Er zuckte und
öffnete die Augen. Sie glänzten unnatürlich in dem verfallenen
Gesicht. Der Offizier biß sich auf die Lippen. »So ein Blödsinn!
’runterspringen, solch ein alter Mann! Los, langsam fahren!«
Unter dem Kopf des Verletzten bildete sich langsam eine
Blutlache. Die knotigen Finger scharrten über das Bodenholz
des Wagens. Die Lippen zogen sich allmählich von den Zähnen
zurück und gaben sie frei. Es sah aus, als lache hinter der geisterhaft verschatteten Maske des Schmerzes jemand anders la